Sonntag, 15. April 2018

Sprachmanipulation über Anglizismen

Wieso verbreiten Anglizismen sich rasend? Oft sind englische Ausdrücke schwammiger, dadurch muss man weniger genau reden. Praktisch, in einer Zeit, in der man sich „nicht wirklich“ festlegen will. Ein „Event“ kann zum Beispiel alles sein.

Ärgerlicher als die offensichtlichen Anglizismen, finde ich aber versteckte Anglizismen. Oft sind es englische Wendungen, die wörtlich übersetzt werden:

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ hiess mal: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.

„Sinn machen“

„Am Ende des Tages“

„Nicht wirklich“

Meiner Meinung nach ist das alles nicht nur schlechter Stil, sondern die Sprache formt das Denken, die Kultur. Z.B. können dich Marketingleute via das Wort „Event“ in ein Shopping Centre (oder eher:Shopping CentER, denn es herrscht ja US-Englisch vor, und nicht englisches Englisch) locken, ohne genau sagen zu müssen, worum es geht.

Das ausflüchtige „Nicht wirklich“, das zwischen Ja und Nein liegt, passt perfekt zur Millienial-Generation, die sich nicht festlegen will. Niemand sagt mehr „gar nicht“ oder „eigentlich nicht“.

Generell verwechseln wir heute das „Wirkliche“ mit dem „Eigentlichen“. Das Eigentliche gibts nicht mehr. Wirklichkeit ist nicht das Eigentliche/Wesentliche. Was ich damit meine: „Wirklich“ ist das, was wirkt. Das wirksame Prinzip kann aber auch eine Simulation sein, wenn genug Menschen an diese glauben:

Als Realität gilt für den Menschentypen 2.0 jeweils dasjenige Ereignis, das am mächtigsten ist – am mächtigsten ist aber immer häufiger die Simulation. Der Menschentyp 2.0 hat zu vielen Fragen keine eigene Meinung, oder er ändert diese laufend: „Was du gesagt hast, klingt glaubwürdig. Ich würde aber auch das Gegenteil glauben, wenn es nur überzeugend vorgetragen würde.“

Der Soziologe Jeremy Rifkin glaubt, dass durch die Digitalisierung ein neuer Menschentyp entsteht.

Die Computersprache ergreift das ganze Leben: Menschen „daten sich up“, zwei Leute sind „nicht kompatibel“, das Gehirn wird als Festplatte betrachtet etc.

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